RÜCKBLICK / BERICHTE


DHV Info - Geheimnisse des Champion Einstelldatum: 16.03.2006
am: 01.04.2006  
 
Quelle: DHV-Info 139 vom April 2006
Interview mit Weltmeister Manfred Ruhmer


Hallo Manfred,

Du hast der Drachen-Wettbewerbszene den Rücken gekehrt. Seit zwei Jahren sieht man Dich nur noch Swift fliegen und es macht bei Dir wie immer den Eindruck, als gebe es nichts Schöneres und Leichteres. Die Drachen- und Gleitschirmflieger sind natürlich brennend interessiert, was Du so zu erzählen hast.

Da gibt es viel zu Erzählen... tatsächlich ist es so, daß mir das Swift-Fliegen sehr, sehr viel Freude bereitet und der Spaßfaktor gehörig groß ist.

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Die Europameisterschaft 2004 in Millau/Frankreich war Dein letzter großer Wettbewerb im Drachenfliegen wo Du teilgenommen und auch den Europameister-Titel gewonnen hast. Warum hast Du dem Drachenwettkampfsport den Rücken gekehrt?

Drachenwettbewerbe flog ich jedes Jahr seit 1987und seit 1989 war ich jedes Jahr in der Österreichischen Nationalmannschaft, da kommt jetzt natürlich eine gewisse Abnützung und Müdigkeit auf. Drachenwettkampf ist ein Knochenharter Job! Wenn du nicht ständig im Training bist, dann ist es hart wirklich vorne dabei zu sein. Es waren sehr schöne und lehrreiche Jahre, wobei ich die letzten Jahre im Prinzip alles gewonnen habe, was es zu gewinnen gab. Immer wieder sich neu zu Motivieren, nach so vielen Jahren, ist eigentlich das größte Problem. Auch trug die Fehlentscheidung bei einem CIVL Meeting, die letzte WM nach Australien zu vergeben, mit dazu bei nicht an dieser WM teilzunehmen. Diese WM in Australien (Jänner 2005) war mit Abstand die am schlechtesten Organisierte und mit zahlreichem Problem überhäufte WM! Für die nächste WM in Texas sieht es, meiner Meinung nach, viel besser aus und es reizt mich schon wieder dabei zu sein, aber das ist eine andere Geschichte.....

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Viele Piloten dachten damals, Du würdest in Zukunft in der Starrflüglerklasse FAI 5 mitmischen. Hat Dich diese Klasse niemals gereizt?

Ehrlich gesagt hat es mich nicht wirklich gereizt in der Klasse 5 Wettbewerbe zu fliegen. Sicher wäre es eine Möglichkeit einen weiteren WM Titel (bei entsprechendem Training) zu erreichen... Inzwischen sind diese Geräte ( Spannweite und Streckung sei dank) die leistungsstärksten “Trapez-Hängegleiter“. Aber wenn es so richtig zur Sache geht (starke Turbulenzen..) dann hat man im Prinzip genau so oder ähnliche Probleme wie mit den Klasse 1 Drachen, nämlich “schwer Schwiietz“.

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Du bist bereits zweimal Weltmeister mit dem Swift geworden. Du hast noch wenig Konkurrenz im Moment, was reizt Dich trotzdem so am Swiftfliegen?

Der Swift ist eben der leistungsstärkste, sicherste, bequemste und mit hervorragenden Flugeigenschaften ausgestattete Hängegleiter. Die beiden WM-Titel sind dabei nur Nebenprodukte. Bei einer WM gibt es die Möglichkeit, mich mit den anderen Gleichgesinnten zu treffen und mich fliegerisch zu messen. In erster Linie fliege ich den Swift aus Überzeugung am Konzept und nicht wegen dem Wettkampf.
In Zukunft wird es mehr Geräte in der Klasse 2 geben. Verschiedene Hersteller haben schon Pläne in der Schublade oder arbeiten bereits daran.

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Du wirst mit Deinem Swift heuer bei der WM in Florida mitfliegen. Rechnest Du dort mit mehr Konkurrenz als bei der letzten WM?

Diesmal werden mehr Amerikaner und weniger Europäer am Start sein. Es sollte sich gerade wieder so ausgehen, daß es eine Wertung gibt. Spannend wird sicherlich die Teilnahme von Steve Cox (amtierender Gleitschirmweltmeister!). Die anderen starken Piloten sind noch Brian Porter und Robin Hamilton. Ich sehe den Aufenthalt in Florida eher als Urlaub mit Swift fliegen...
Meine Teilnahme in Florida verbinde ich eigentlich mit meinem Hauptanliegen in diesem Jahr: Einen Rekordversuch in der freien Strecke, ausgehend von Zapata (Texas). Wenn das Wetter mitspielt und ich dann keinen Fehler mache, dann sollte die Traumgrenze von 1000 km möglich sein.

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Deine Firma „Ruhm-Air UL-Leichtflugzeuge“ ist verantwortlich für die Entwicklung/Vertrieb des neuen Swift-Light in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Hast Du viele Interessenten? Entwickelst Du auch noch im Drachenbereich?

Interessenten gibt es tatsächlich viele. Bis jetzt gab es noch keine Zulassung für den Light. Die Zulassung in D ist jetzt über dem DULSV abgeschlossen und auch in Österreich ist die Zulassung für den Swift-Light mit Motor in Arbeit. Hier in Ö fällt der Swift-Light mit Motor in den Bereich Mot. HG-PG.
Sofern es die Zeit zuläßt, dann bin ich auch noch beim Drachenentwickeln bei Icaro.

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Wie beschreibst Du den Unterschied zwischen Drachen- und Swiftfliegen? Wie ist der Start, der Bergstart schaut sehr schwierig aus? Bevorzugst Du den UL-Start oder Windenstart? Wie funktioniert die Steuerung? Gleitzahl?

Der Unterschied beim Fliegen ist hauptsächlich die Art der Steuerung, der Flugkomfort und die Sicherheit bei sehr turbulenten Bedingungen. Während der Drachen nur über Gewichtsverlagerung gesteuert wird, wird der Swift nur über Ruder, also rein aerodynamisch, gesteuert. Die min. Geschwindigkeit sowie der Radius beim Thermikkreisen ist gleich wie beim Drachen. Überhaupt spricht der Swift schon auf die geringste Thermik an und die Steigleistung ist ausgezeichnet. Die großen Wölbklappen ermöglichen einen weiten Geschwindigkeitsbereich und dienen auch zur Geschwindigkeitstrimmung. Höhen und Querruder sind über einen mechanischen Mischer angesteuert. Die Wingletruder werden über Fußpedale betätigt. Die Wendigkeit ist ausgezeichnet und auch die Flugeigenschaften sind sehr gutmütig. Trudeln ist durch die sichere Schwerpunktposition und der Schränkung ausgeschlossen. Der Flugkomfort ist in der sitzend-liegenden Position sehr angenehm und längere Flüge sind ohne Anstrengung machbar. Der Swift-Light ist der sicherste Hängegleiter überhaupt. Das Überschlagsrisiko ist gleich null (durch die fixe Schwerpunktposition) und der Pilot ist im Gerät angeschnallt, negative Lastfälle sind kein Problem. Das Sicherheitsgefühl bei sehr starken Turbulenzen ist um ein vielfaches besser als beim Drachen. Ein typisches Beispiel ist der Startplatz in Greifenburg. Dort kann auch noch bei stärkerem nördlichen Höhenwinden gestartet werden. Mit dem Drachen sind dann die Bedingungen sehr schnell grenzwärtig, doch mit dem Swift fängt da erst richtig der Spaß an...
Starten ist im Prinzip ähnlich wie mit dem Drachen, man muß nur mit dem Auto bis zum Startplatz kommen, Seilbahntransport scheidet aus. Ich bin auch schon an flachen Startplätzen bei Windstille gestartet. UL-, Motorsegler- sowie auch Windenschlepp sind problemlos machbar. Eine bevorzugte Startart habe ich nicht wirklich, nur wenn ich mit dem Auto auf den Berg komme, dann natürlich der Fußstart.
Die Gleitzahl gibt der Hersteller mit 27 an und dieser Wert ist durchaus realistisch.

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Wie ist das Landen? Braucht man wie beim Segelfliegen große Landebahnen oder reichen die meisten Drachen- und Gleitschirmlandeplätze aus?

Landen ist mit dem Swift nicht schwieriger als mit dem Drachen. Im Gegenteil, da ich ja immer auf der Kufe und dem Landerad lande, macht auch Seitenwind oder leichter Rückenwind nichts aus. Mit vollgezogenen Wölbklappen und beidseitig voll ausgeschlagene Winglettruder kann der Gleitwinkel auf 1 : 5 reduziert werden.
Landungen sind dann vergleichbar mit einem Drachen und gezogenem Bremsschirm. Es setzt natürlich eine ordentliche Landeeinteilung und die notwendige Erfahrung voraus, dann sind Landungen selbst auf sehr kleinen Plätzen kein Problem.

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Wie und wo kann man das Swiftfliegen lernen, welchen Schein benötigt man? Hat man als Drachen- oder Gleitschirmflieger bessere Voraussetzungen oder Vorteile und was wird bei der Ausbildung anerkannt. Haben es Segelflieger oder Modelflieger einfacher, einen Swift zu fliegen.

In Deutschland ist der Swift-Light ein Gleitflugzeug und für die Zulassung und der Ausbildung ist der DULSV (Deutscher Ultraleicht Segelflug Verband) zuständig.
Durch die Dreiachssteuerung ist eine Segelflugausbildung, aber nur der Praktische Teil, bis zur Alleinflugreife notwendig. Die Theorie wird vom HG, PG B-Schein anerkannt. Dann sind noch Einweisungs- und Prüfungs- Flüge über den DULSV zu machen und man erhält den Schein.
Swift- Schnuppern kann man bei der Belgischen Swift Flugschule. Dort werden mit dem Swift Doppelsitzer Schulungen durchgeführt.
In Österreich und dem Rest der Welt ist der Swift ein Hängegleiter Klasse 2. In Österreich genügt der Sonderpilotenschein und in der Schweiz gibt es das Starrflügelbrevet für aerodynamische Steuerung.

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Kann man den Swift auch mit Motor fliegen?

Mit dem Motor-Kit ist der Swift-Light einfach in einen selbststartfähigen Motorsegler oder Mot. Hängegleiter umzurüsten. Die Strukturfestigkeit wurde für die Motorisierung berechnet und auch getestet. Der Flügel und das Rumpfgestell ist immer gleich, nur die Verkleidung wird gewechselt. Umrüsten von der Fußstart- zur Motorversion oder Umgekehrt dauert etwa 1 Stunde. Die Gewichtszunahme durch die Motorisierung beträgt nur 30 kg. Die ausgezeichneten Langsamflugeigenschaften blieben dadurch erhalten, nur das Gleiten ist aufgrund der schlechteren Aerodynamik etwas weniger (Gleitzahl 24). Demnächst wird ein kleiner Viertaktmotor (von einen Motorschirmantrieb) getestet und damit wird der Swift-Light zum sparsamsten Fluggerät überhaupt. Beträgt derzeit schon der Verbrauch im Ecobetrieb mit dem Solo-Motor nur 2,2 Liter pro Stunde dann wird der Viertaktmotor deutlich unter 2 Liter die Stunde konsumieren.
Zukunftsprojekt ist der Swift-Light mit Elektroantrieb. Gerade bei der Akku- und Motorentechnik sind große Fortschritte gemacht worden.

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Was kostet ein Swift?

Der Swift-Light mit der Vollverkleidung kostet Euro:22.200,-
Das Rettungsgerät ist extra und auch die Transportbox.
Bei einem Drachen ist auch das Rettungsgerät und das Gurtzeug extra dazuzurechnen.
Natürlich ist das kein Sonderangebot. Berücksichtigt man aber die zu erwartenden Lebensdauer von mindestens 20 Jahren (Kunststoffbauweise, wie bei den Segelflugzeugen) sowie auch die zu erwartende gute Werthaltung, dann relativiert sich der Anschaffungspreis.

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Wo ist der Sitz Deiner Firma, hast Du eine Internetseite?

Mein Firmensitz ist in Oberösterreich, im Bezirk Freistadt.
Meine Homepage: www.swift-light.at
Aeriane Homepage (Hersteller des Swift-Light): www.aeriane.com

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Noch eine letzte Frage Manfred:

Der Antrag des DHV, bei der FAI Kategorie 1 HG-Wettbewerben als Voraussetzung für eine Teilnahme, ein Minimum an technischen Prüfungen nachzuweisen, wurde im CIVL/FAI-Plenum einstimmig angenommen. Was ist Deine Meinung dazu?

Dieser Schritt ist zu Begrüßen, nur bin ich nicht im Detail informiert, welche Prüfungen die Piloten vorweisen sollten.
Sollte es sich um Pitschprüfungen handeln, dann ist es wichtig ein einfaches Verfahren zur Überprüfung anzuwenden. Das Vermessen der Geometrie ist zu Aufwendig, da dazu alles am Drachen zu Vermessen ist. Besser ist das Vermessen der tatsächlichen Schränkung wie bei den Starrflügeln.
Geschulte Augen sehen schon am Boden bei voll gespannter VG, ob noch Schränkung vorhanden ist oder nicht. Eins ist sicher, bei den Verwendeten Drachenprofilen ist einfach ein Mindestmaß an Schränkung erforderlich. Keine Schränkung ist mit Sicherheit zu wenig und auch gefährlich.

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Vielen Dank für das interessante Gespräch? Ich wünsche Dir viel Erfolg für Deine Firma und auch für die kommende Weltmeisterschaft.

Regina
 
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